Dieser Leitfaden beschreibt das französische Recht. Maßgeblich ist seine französische Fassung. Auf Französisch lesen

Die Mahnung: Definition, rechtliche Wirkungen und wie man sie verfasst

Veröffentlicht am 09/07/2026

Eine unbezahlte Rechnung, eine nie erbrachte Leistung, ein Nachbar, der eine Störung nicht einstellt, eine Reparatur, die sich hinzieht: Bevor man weitergeht, drängt sich oft ein Schritt auf — die Mahnung (mise en demeure). Sie ist ein einfacher Akt, aber mit realen rechtlichen Wirkungen. Hier erfahren Sie auf dokumentarische Weise, was sie ist, wozu sie dient und wie man sie verfasst.

Was ist eine Mahnung?

Die Mahnung ist eine förmliche Aufforderung, mit der Sie jemanden auffordern, seine Verpflichtung zu erfüllen: zu zahlen, zu liefern, zu reparieren, eine Störung einzustellen. Es handelt sich nicht um eine bloße freundliche Erinnerung; das Recht erkennt ihr einen eigenen Wert zu. Artikel 1344 des Zivilgesetzbuchs (Code civil) formuliert dies:

« Der Schuldner wird zur Zahlung in Verzug gesetzt entweder durch eine Aufforderung oder eine Urkunde, die eine hinreichende Inverzugsetzung enthält, oder, wenn der Vertrag es vorsieht, allein durch die Fälligkeit der Verpflichtung. »

Welche rechtlichen Wirkungen erzeugt sie?

Die Mahnung löst mehrere Wirkungen aus, die eine bloße Erinnerung nicht erzeugt:

  • Sie setzt die Verzugszinsen in Lauf. Bei einer Geldschuld lässt sie den Verzugszins zum gesetzlichen Satz laufen, ohne dass Sie einen Schaden nachweisen müssen (Artikel 1344-1 des Zivilgesetzbuchs).
  • Sie überträgt die Gefahr (les risques) hinsichtlich einer zu liefernden Sache (Artikel 1344-2 des Zivilgesetzbuchs).
  • Sie bereitet die Auflösung des Vertrags vor. Bei schwerwiegender Nichterfüllung können Sie den Vertrag durch Mitteilung auflösen, müssen den Schuldner aber grundsätzlich zuvor mahnen (Artikel 1224 und 1226 des Zivilgesetzbuchs). Enthält der Vertrag eine auflösende Klausel (clause résolutoire), so löst die Mahnung diese nur aus, wenn sie diese Klausel ausdrücklich erwähnt (Artikel 1225).

Mahnung oder bloße Erinnerung?

Das ist eine wesentliche Unterscheidung. Eine Erinnerung (relance) ist ein informeller Hinweis: Sie hat keinerlei rechtliche Folgen. Eine Mahnung setzt eine hinreichend klare und bestimmte Aufforderung voraus — der Begriff « mise en demeure » ist darin enthalten, Verpflichtung und Frist sind genau angegeben. Nur Letztere löst die oben genannten Wirkungen aus.

Wie man sie verfasst: Form und Angaben

Es ist keine bestimmte Form vorgeschrieben, doch der Einschreibebrief mit Rückschein (lettre recommandée avec accusé de réception, LRAR) wird dringend empfohlen: Er beweist den Versand, den Inhalt und das Datum. Eine vollständige Mahnung enthält:

  • Ihre Kontaktdaten und die des Empfängers sowie das Datum;
  • die genaue Angabe der Verpflichtung (Verweis auf den Vertrag, die Rechnung, die Tatsachen);
  • die ausdrückliche Formel « je vous mets en demeure de… » („hiermit fordere ich Sie unter Fristsetzung auf, …");
  • eine angemessene Frist zur Erfüllung;
  • die Folgen bei Ausbleiben (Zinsen, Vertragsauflösung, Anrufung des Richters);
  • Ihre Unterschrift.

Ein offizielles Musterschreiben für eine Mahnung, herausgegeben vom Institut national de la consommation, ist auf service-public.gouv.fr verfügbar.

Ein vor Gericht mitunter verpflichtender vorheriger Schritt

Die Mahnung fügt sich in eine einvernehmliche Logik ein, die das Recht fördert — und mitunter vorschreibt. Für zahlreiche kleine Streitigkeiten ist ein Versuch der einvernehmlichen Beilegung vor Anrufung des Richters verpflichtend, andernfalls ist die Klage unzulässig. Artikel 750-1 der Zivilprozessordnung (Code de procédure civile), in Kraft im Jahr 2026, schreibt dies vor, wenn die Klage:

  • auf Zahlung eines Betrags von höchstens 5 000 € gerichtet ist, oder
  • einen Nachbarschaftskonflikt betrifft (einschließlich der übermäßigen Beeinträchtigung der Nachbarschaft, „trouble anormal de voisinage").

Dieser Versuch kann die Form einer Schlichtung (conciliation), einer Mediation oder eines partizipativen Verfahrens (procédure participative) annehmen. Es bestehen Ausnahmen (Dringlichkeit, berechtigter Grund …).

Nach einer Mahnung, die ohne Wirkung geblieben ist

Bewegt sich nichts, öffnen sich mehrere Wege, die meisten kostenlos oder kostengünstig:

Ob es sich um eine Verbraucher-, Nachbarschafts- oder Familienstreitigkeit handelt: Die Stärke einer Akte liegt in der schriftlichen und datierten Aufzeichnung der Tatsachen: was verlangt wurde, wann, und was ohne Antwort blieb. Diese Chronologie laufend festzuhalten — siehe unseren Leitfaden Eine Chronologie der Ereignisse führen — ist einer der Verwendungszwecke von Aridelle.

Für jede persönliche Situation kann Ihnen eine point-justice, ein conciliateur de justice oder Allô Service Public (3939) kostenlos weiterhelfen.

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