Die Schutzanordnung: sich vor Gewalt schützen, im Eilverfahren und ohne Strafanzeige
Veröffentlicht am 09/07/2026
🆘 Bei unmittelbarer Gefahr rufen Sie die 17 an (Polizeinotruf) oder senden Sie eine SMS an die 114, wenn Sie nicht sprechen können. Die 3919 (Violences Femmes Info) ist kostenlos, anonym, rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche und erscheint nicht auf den Rechnungen. Für die Opferhilfe: 116 006.
Wenn sich Gewalt in einer Partnerschaft oder einer Familie festsetzt, ermöglicht eine Maßnahme, sich schnell in Sicherheit zu bringen, ohne den Ausgang eines Strafverfahrens abzuwarten: die Schutzanordnung (ordonnance de protection). Hier erfahren Sie auf dokumentarische Weise, was das französische Recht 2026 vorsieht — was sie ist, unter welchen Voraussetzungen der Richter sie gewährt, in welcher Frist und wie man sie beantragt.
Was ist eine Schutzanordnung?
Es handelt sich um eine zivilrechtliche Maßnahme, die im Eilverfahren vom Familienrichter (juge aux affaires familiales, JAF) erlassen wird, wenn eine Person durch Gewalt innerhalb ihrer Partnerschaft in Gefahr gebracht wird — auch durch einen früheren Ehegatten, PACS-Partner oder Lebensgefährten und sogar ohne Zusammenleben. Artikel 515-9 des Zivilgesetzbuchs (Code civil) stellt den Grundsatz auf:
« Wenn die innerhalb der Partnerschaft ausgeübte Gewalt […] die Person, die ihr Opfer ist, oder ein oder mehrere Kinder in Gefahr bringt, kann der Familienrichter dieser Person im Eilverfahren eine Schutzanordnung erteilen. »
Man muss keine Strafanzeige erstattet haben
Das ist die häufigste — und abschreckendste — Fehlvorstellung. Die Schutzanordnung setzt keine vorherige Strafanzeige voraus. Es handelt sich um ein eigenständiges zivilrechtliches Verfahren: Der Richter beurteilt eine Gefahrensituation, er richtet nicht über eine Straftat. Der zivilrechtliche Weg (Schutz) und der strafrechtliche Weg (Anzeige, Verurteilung) sind ergänzend, niemals schließen sie einander aus.
Wer kann sie beantragen?
Gemäß Artikel 515-10 des Zivilgesetzbuchs:
« Die Schutzanordnung wird vom Richter erteilt, der von der gefährdeten Person, erforderlichenfalls mit Beistand, oder mit deren Zustimmung von der Staatsanwaltschaft angerufen wird. »
Der Antrag geht also von dem Opfer selbst aus (mit Beistand, wenn es dies wünscht) oder vom Staatsanwalt (procureur de la République) mit dessen Zustimmung. Eine Schutzanordnung kann auch einer volljährigen Person erteilt werden, der eine Zwangsheirat droht (Artikel 515-13 des Zivilgesetzbuchs).
Unter welchen Voraussetzungen gewährt der Richter sie?
Der Richter verlangt keinen Beweis « über jeden Zweifel hinaus » wie im Strafrecht. Er entscheidet nach der Wahrscheinlichkeit (vraisemblance): Er gewährt den Schutz, wenn er angesichts der in kontradiktorischer Verhandlung erörterten Umstände der Auffassung ist, dass ernsthafte Gründe bestehen, um die geltend gemachte Gewalt und die Gefahr, der das Opfer oder die Kinder ausgesetzt sind, als wahrscheinlich anzusehen (Artikel 515-11 des Zivilgesetzbuchs). Daher die Bedeutung, konkrete und datierte Beweise zu sammeln: ärztliche Atteste, polizeiliche Aktenvermerke (mains courantes), Nachrichten, Zeugenaussagen.
In welcher Frist?
Das Gesetz schreibt eine Höchstfrist von sechs Tagen vor. Derselbe Artikel 515-11 stellt klar, dass die Anordnung « innerhalb einer Höchstfrist von sechs Tagen ab der Festsetzung des Verhandlungstermins » erteilt wird — dieser Ausgangspunkt ist die Festsetzung des Termins durch den Richter, nicht die bloße Einreichung des Antrags.
⚠️ Neuerung 2024 — die vorläufige Anordnung zum sofortigen Schutz (ordonnance provisoire de protection immédiate, OPPI). Seit dem Gesetz vom 13. Juni 2024 kann bei schwerer und unmittelbarer Gefahr ein Schutz innerhalb von 24 Stunden erteilt werden (Artikel 515-13-1 des Zivilgesetzbuchs). Achtung: Die OPPI wird vom Staatsanwalt beantragt (mit Zustimmung der gefährdeten Person), wenn bereits ein Antrag auf eine Schutzanordnung eingeleitet ist — das Opfer beantragt sie nicht allein. Der richtige Reflex bei schwerer Gefahr bleibt, die Situation zu melden (17, 3919, Erstattung einer Anzeige), damit die Staatsanwaltschaft (parquet) tätig werden kann.
Welche Maßnahmen kann der Richter anordnen?
Artikel 515-11 des Zivilgesetzbuchs gibt dem Richter ein breites Spektrum. Er kann insbesondere:
- dem Täter untersagen, Kontakt aufzunehmen mit dem Opfer und bestimmten benannten Personen und sich aufzuhalten an bestimmten Orten;
- die Wohnung des Paares dem Opfer zuweisen und die Verweisung des gewalttätigen Partners aus der Wohnung anordnen — auch wenn das Opfer nicht Eigentümer ist;
- den Besitz oder das Tragen einer Waffe untersagen und deren Abgabe anordnen;
- dem Opfer gestatten, seine Anschrift zu verbergen (Wahl eines Zustellungsdomizils bei einem Anwalt, dem Staatsanwalt oder einer Vereinigung);
- über die elterliche Sorge, das Umgangsrecht und den Beitrag zu den Lasten entscheiden;
- das Tragen einer elektronischen Fußfessel zur Abstandswahrung (bracelet anti-rapprochement) anordnen (Artikel 515-11-1 des Zivilgesetzbuchs), die Alarm schlägt, sobald der Täter einen Sicherheitsabstand unterschreitet;
- das Opfer zur vorläufigen Prozesskostenhilfe (aide juridictionnelle provisoire) zulassen.
Wie lange dauert der Schutz?
⚠️ Neuerung 2024 — der Schutz dauert bis zu zwölf Monate (nicht mehr sechs). Artikel 515-12 des Zivilgesetzbuchs legt die Maßnahmen « für eine Höchstdauer von zwölf Monaten » ab der Zustellung fest. Sie können verlängert werden, wenn innerhalb dieser Frist ein Antrag auf Scheidung oder Trennung von Tisch und Bett gestellt wird oder wenn der Richter mit einem Antrag zur elterlichen Sorge befasst wird. Hüten Sie sich vor älteren Artikeln, die noch sechs Monate angeben: Das ist seit dem 15. Juni 2024 überholt.
Wie man den Antrag konkret stellt
- Formular: Der Antrag erfolgt mit dem Cerfa Nr. 15458*07, « Antrag auf Erteilung einer Schutzanordnung ».
- Wo: bei der Geschäftsstelle des Familienrichters (greffe du juge aux affaires familiales) des Tribunal judiciaire (oder des ortsnahen Gerichts) am Wohnort.
- Anwalt: nicht verpflichtend, um den Antrag zu stellen und in der Verhandlung — aber dringend empfohlen, idealerweise auf häusliche Gewalt spezialisiert. Die Prozesskostenhilfe (aide juridictionnelle), auch vorläufig, kann die Kosten übernehmen.
- Kosten: kostenlos. Die Schutzanordnung ist ausdrücklich von dem neuen Beitrag zur Rechtshilfe (contribution pour l'aide juridique) von 50 €, der zum 1. März 2026 eingeführt wurde, befreit (offizielle Liste der befreiten Verfahren, F33227).
⚠️ Die Missachtung einer Schutzanordnung ist eine Straftat: Artikel 227-4-2 des Strafgesetzbuchs (Code pénal) ahndet sie mit drei Jahren Freiheitsstrafe und 45 000 € Geldstrafe. Wird ein Verbot verletzt, benachrichtigen Sie unverzüglich die Ordnungskräfte (17).
Ein Schutzantrag baut auf datierten Tatsachen und geordneten Unterlagen auf: Daten und Beschreibungen der Vorfälle, Atteste, Nachrichten, Zeugenaussagen. Diese Elemente in Ruhe zusammenzutragen und zu ordnen — oft unter Zeitdruck und Anspannung — ist genau das, was Aridelle erleichtern soll. Siehe unsere Leitfäden Eine Chronologie der Ereignisse führen und Eine Beweisakte für den Familienrichter zusammenstellen.
Lassen Sie sich in jeder persönlichen Situation begleiten: Ein Anwalt, eine point-justice, France Victimes (116 006) oder Allô Service Public (3939) können Ihnen weiterhelfen. Bei Gefahr ist die 3919 kostenlos und anonym, und die 17 antwortet im Notfall.
Zum Weiterlesen
- Offizielles Merkblatt: Häusliche Gewalt: Was tun und wen kontaktieren? (service-public.gouv.fr, F12544)
- Offizielles Formular: Antrag auf eine Schutzanordnung (Cerfa Nr. 15458*07, R42412)
- Artikel 515-9 des Zivilgesetzbuchs (Légifrance)
- Unsere verwandten Leitfäden: Den Familienrichter anrufen · Die elterliche Sorge · Wohnsitz des Kindes nach der Trennung